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Ruhige, natürliche Szene an einem warmen Augustabend: mehrere unterschiedlich wirkende Weingläser auf einem Holztisch auf einem Balkon oder
Wein kaufen ohne Fehlgriff 4 Min. Lesezeit

Wein nach Geschmack auswählen: So findest du deinen Stil ohne Fehlgriff

Ich probiere, damit du nicht raten musst. Ich verkoste seit zwölf Jahren Weine und schaue mir an, was die Händler gerade anbieten. Die meisten Aktionen sind ihr Geld nicht wert – ich zeige dir, bei welchen Weinen sich ein genauer Blick lohnt, und sage dazu, warum. Beim Weinkauf hilft dir aber vor allem eines: Du solltest deinen eigenen Geschmack beschreiben können. Dafür musst du weder Anbaugebiete noch zahlreiche Rebsorten kennen.

Gerade im August wird Wein oft spontan gekauft. Vielleicht suchst du eine Flasche für einen warmen Abend auf dem Balkon, zum Grillen oder für einen Salat beim Picknick. In solchen Situationen ist nicht der bekannteste Name entscheidend, sondern die Frage, wie der Wein wirken soll: leicht und erfrischend, weich und fruchtig oder kräftig und trocken.

Beginne mit fünf einfachen Geschmackseigenschaften

Auf dem Etikett findest du nicht immer alle Informationen, die du brauchst. Trotzdem kannst du einen Wein gut einordnen, wenn du auf fünf Eigenschaften achtest:

  • Süße: Ein trockener Wein schmeckt nicht süß, auch wenn er fruchtig riechen kann. Halbtrockene oder liebliche Weine wirken weicher und oft zugänglicher.
  • Säure: Säure sorgt für Frische. Du spürst sie häufig an den Seiten der Zunge und bekommst danach eher Lust auf den nächsten Schluck.
  • Körper: Damit ist gemeint, wie voll oder leicht ein Wein im Mund wirkt. Ein leichter Wein verschwindet schnell, ein körperreicher bleibt länger präsent.
  • Gerbstoffe: Sie kommen besonders bei vielen Rotweinen vor und können den Mund trocken oder rau wirken lassen. Wenn dich dieses Gefühl stört, solltest du vorsichtig mit sehr gerbstoffreichen Weinen sein.
  • Alkohol: Mehr Alkohol kann einen Wein wärmer und kräftiger wirken lassen. Bei sommerlichen Temperaturen ist ein leichterer Eindruck oft angenehmer.

Du musst diese Begriffe nicht perfekt verwenden. Schon die Unterscheidung zwischen „frisch“, „weich“, „leicht“ und „kräftig“ bringt dich beim Kauf deutlich weiter.

Wenn du frische Weine magst

Wer gern Zitronen, grünen Apfel, frische Kräuter oder knackiges Obst isst, greift oft auch bei Wein zu einer lebendigen Säure. Solche Weine wirken kühlend und passen im August gut zu leichten Gerichten. Sie begleiten Salate, gedünsteten Fisch, Ziegenkäse oder Gemüse vom Grill, ohne deren Geschmack zu überdecken.

Achte auf Hinweise wie „frisch“, „lebendig“ oder „leicht“. Auch eine moderate Alkoholangabe kann ein Anhaltspunkt sein, ist aber keine Garantie. Ein Wein mit wenig Alkohol kann trotzdem süß oder aromatisch wirken. Wenn du empfindlich auf Säure reagierst, solltest du dagegen nicht nur nach Frische suchen. Eine weichere, etwas rundere Variante passt wahrscheinlich besser.

Wenn du weiche und fruchtige Weine bevorzugst

Magst du reife Beeren, Pfirsich, Birne oder einen insgesamt unkomplizierten Geschmack, sind weichere Weine meist die bessere Wahl. Sie wirken weniger kantig und lassen sich auch ohne Essen gut trinken. Für einen Abend mit Freunden ist das oft sinnvoll, weil nicht jeder dasselbe Gericht auf dem Teller hat.

Hier lohnt sich ein Blick auf den Süßegrad. „Fruchtig“ bedeutet nicht automatisch „süß“. Ein trockener Wein kann intensiv nach reifem Obst riechen und trotzdem ohne spürbare Süße schmecken. Wenn du tatsächlich eine kleine Restsüße bevorzugst, achte auf entsprechende Angaben auf dem Etikett. Bedenke außerdem: Süße macht Wein oft gefälliger, aber bei sehr warmem Wetter kann ein deutlich süßer Eindruck schnell schwer wirken.

Wenn du kräftige und herbe Weine suchst

Zu gegrilltem Fleisch, würzigen Speisen oder kräftigem Käse darf ein Wein mehr Gewicht haben. Du kannst dann nach einem vollen Körper und einer längeren Wirkung im Mund suchen. Bei Rotwein spielen die Gerbstoffe eine wichtige Rolle. Sie können angenehm strukturierend wirken, besonders wenn das Essen Fett oder Röstaromen mitbringt. Trinkst du den Wein jedoch allein, erscheinen starke Gerbstoffe schnell trocken oder bitter.

Ein häufiger Fehlgriff entsteht, wenn ein kräftiger Wein nur deshalb gekauft wird, weil das Essen ebenfalls kräftig klingt. Bei Gemüse, Fisch oder milden Salaten überlagert er die Speisen leicht. Frage dich daher immer: Soll der Wein begleiten oder im Mittelpunkt stehen?

Nutze deine bisherigen Erfahrungen

Schreibe dir nach einer Flasche drei kurze Antworten auf: Was hat dir gefallen? Was hat dich gestört? Würdest du ihn wieder kaufen? Dabei reichen einfache Wörter. Zum Beispiel: „frisch, aber zu sauer“, „fruchtig und weich“ oder „kräftig, doch zu trocken“. Nach einigen Notizen erkennst du Muster.

Wenn dir mehrere Weine zu sauer waren, suche künftig nach einem runderen Stil. Wenn du trockene Rotweine häufig als rau empfindest, probiere eher leichtere Varianten mit weniger Gerbstoffen. Und wenn dir viele Weine zu schwer vorkommen, achte auf Frische, moderaten Alkohol und einen leichteren Körper.

Die passende Flasche für den Anlass auswählen

Für einen heißen Augustabend sollte der Wein nicht nur zum Essen passen, sondern auch zur Umgebung. Zu kalten Speisen, Salaten und kleinen Snacks ist ein frischer, leichter Stil meist unkompliziert. Zum Grillen hängt die Wahl davon ab, ob Gemüse, Fisch oder Fleisch auf dem Rost liegt. Bei einer gemischten Runde ist ein ausgewogener Wein oft sicherer als eine besonders extreme Ausprägung – also weder sehr süß noch sehr sauer oder stark gerbstoffreich.

Mein wichtigster Rat: Kaufe nicht nach einem einzelnen Schlagwort. „Trocken“, „fruchtig“ oder „kräftig“ beschreibt jeweils nur einen Teil des Geschmacks. Kombiniere die Angaben mit deinen eigenen Erfahrungen und dem Anlass. So entscheidest du mit jedem Einkauf etwas sicherer – und musst beim nächsten Mal weniger raten.

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